Ricetto di Candelo
Das Ricetto di Candelo ist eine spätmittelalterliche Befestigungsanlage (13.–14. Jh.), die von der örtlichen Bauernschaft ohne feudalen Einfluss errichtet wurde. Sie entstand auf einem ursprünglich im Besitz der Adelsfamilie Vialardi di Villanova befindlichen Grundstück, das später von der Bevölkerung von Candelo zurückgekauft wurde.
Ursprünglich sollte das Ricetto dauerhaften Schutz für die wertvollsten Güter der Gemeinschaft und insbesondere für landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Getreide und Wein bieten. Nur in äußersten Notfällen und für kurze Zeit suchte auch die Bevölkerung selbst dort Zuflucht.
Die Anlage hat einen annähernd fünfeckigen Grundriss, umfasst eine Fläche von etwa 13.000 m² und ist von Wehrmauern umgeben, die aus Flusskieseln im Fischgrätmuster (opus spicatum) errichtet wurden. An den Ecken sorgten vier runde Türme für die Verteidigung. In der Mitte der Nordseite befindet sich ein quadratischer Turm aus Mauerwerk.
Das Geheimnis des hervorragenden Erhaltungszustands dieser Anlage, der sie zu einem einzigartigen Bauwerk ihrer Art macht, liegt in der durchgehend bäuerlichen Nutzung, die bis in die jüngste Vergangenheit andauerte und teilweise noch heute besteht. Im Gegensatz zu vielen ähnlichen Anlagen im Piemont (über 200, davon 112 allein im Gebiet von Biella, die heute größtenteils verschwunden oder stark verändert sind) wurde das Ricetto di Candelo nur wenig umgebaut.
Es wurde auch von internationalen Universitäten eingehend untersucht und zählt zu den besterhaltenen Festungsanlagen Europas. Noch heute kann man die Atmosphäre in den kleinen Gassen „rue“ des Ricetto einatmen: Die Ruhe und Stille wecken magische Erinnerungen an eine bäuerliche Welt, die es vielleicht gar nicht mehr gibt. Der Begriff „receptum“ bedeutete im Lateinischen und auch im Spätmittelalter wörtlich „Zuflucht“. In schriftlichen Quellen aus dem Piemont taucht dieser Begriff erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts zeitgleich oder alternativ zu den lateinischen Begriffen „castrum“ und „castellum“ auf. Mit mehr oder weniger direkten Varianten wie „rezetum“ oder „reductum“ erscheint das Wort noch im 16. Jahrhundert in notariellen Urkunden und wurde später zu „ricetto“ oder „recetto“.
Seit 2002 gehört das Ricetto di Candelo zu den von der ANCI zertifizierten Schönsten Dörfer Italiens. Seit 2007 trägt Candelo zudem die orange Fahne des Touring Club Italiano, die als Qualitätssiegel für nachhaltigen Tourismus im ländlichen Raum gilt.
Spaziergang durch die Rue
Piazza Castello
Auf dem Platz erkennt man sofort das Rathaus aus dem Jahr 1819 im neoklassizistischen Stil. Wo sich heute der Platz befindet, lagen früher Häuser und ein vermutlich trockener Graben, der von Dornensträuchern überwuchert und mit spitzten Pfählen gespickt war. Auf der Seite gegenüber dem Graben befindet sich direkt vor dem Tor-Turm, eine weitere Verteidigungsanlage namens „Rivellino“, wo sich in der kommunalen Zeit die Ratsversammlung traf.
Von links nach rechts erkennt man einen hohen Turm, der ursprünglich zur Innenseite hin offen war, und einen niedrigeren, gedrungeneren Turm, der im Jahr 1581 in ein Gefängnis umgewandelt wurde. Der einzige Zugang ins Ricetto war und bleibt der Tor-Turm. Es handelt sich um ein massives Backsteingebäude mit einer Zufahrt für Wagen und der separaten kleinen Tür für Fußgänger „Postierla“, die beide früher durch eine Zugbrücke und eine kleine Stegrampe („Pedanca“) gesichert wurden. Diese wurden von Mechanismen bewegt, die in die noch heute gut sichtbaren Mauerschlitze griffen. An der rechten Seite steht ein weiterer, runder Eckturm mit offenen Schießscharten und typischen Schwalbenschwanzzinnen.
Innenhof des Ricetto
Nach der Eintritt durch den Tor-Turm befindet man sich auf einem kleinen gepflasterten Platz mit den rundlichen Steinen aus dem nahen Flusses Cervo. Gegenüber liegt eine Konstruktion, die die anderen beherrscht. Es ist der sogenannte „Palazzo del Principe“, der gegen Ende des 15. Jahrhunderts von Sebastiano Ferrero errichtet wurde.
Das Wegenetz innerhalb des Ricetto besteht aus fünf Längs- und drei Querstraßen. Für den Abfluss des Regen- und Abwassers zum breiteren Turm aus Mauerwerk am Ende der zentralen Gasse weist es ein Gefälle von Süden nach Norden auf. Eine heute verschwundene „Lizza-Straße“ verlief einst an der ganzen Mauer entlang und diente den Verteidigern als Patrouillenweg. An der Nordseite sind noch Steinkonsolen zu sehen, die einst den Wehrgang trugen. Links vom Innenhof befindet sich die „Rats- und Zeremonienhalle“ der Gemeinde Candelo, in der regelmäßig Ausstellungen stattfinden, und das Gemeindearchiv mit Bibliothek. Der große Steinblock mit der Jahreszahl 1749 in der Nähe des heutigen Brunnens war einst das Gegengewicht einer Hebelpresse, die sich ursprünglich in der Zeremonienhalle befand. Ein ähnliches, noch vollständig funktionstüchtiges Presswerk befindet sich in einem privaten Weinkeller im Ricetto. Beim weiteren Rundgang durch eine der „rue“ erkennt man die Wohngebäude, die in Doppelhaus-Inseln gruppiert sind. Zwischen ihnen verläuft ein schmaler Zwischenraum (riana, rittana oder chintana) für den Abfluss von Regen- und Abwasser. Die ca. 60 cm dicken Mauern sind meist aus Kieseln im Fischgrätmuster und zum Teil mit Ziegeln oder größeren Natursteinen durchsetzt.
Jede Baueinheit besteht aus zwei übereinanderliegenden Räumen, die nicht miteinander verbunden waren. Der Zugang zum oberen Raum (Solarium) war nur außen über Holztreppen oder hölzerne Balkone (lobbie) möglich. Das Erdgeschoss (Caneva) diente in Friedenszeiten hauptsächlich als Weinkeller, während das Obergeschoss als Trocknungsraum oder Lager für landwirtschaftliche Produkte genutzt wurde.
Die Türportale der einzelnen Häuser haben zwei Ausführungen: Die älteren Portale bestehen aus drei behauenen Steinquadern, die auf Steinsäulen mit dazwischen liegendem horizontalem Steinblock ruhen. Die jüngeren Portale sind aus Backstein, haben einen leicht spitzbogigen Abschluss und bestehen aus zwei Bogenlagen – eine flache und eine spitze. Wie schon zur Zeit der Entstehung sind die Gebäude noch heute in Privatbesitz. Einige werden weiterhin zur Weinherstellung und Lagerung genutzt.
Geführte Besichtigungen (ca. 1 Stunde) können beim örtlichen Fremdenverkehrsamt „Pro Loco“ (Tel. 015 2536728) gebucht werden.
Seit 2002 gehört das Ricetto di Candelo zu den vom italienischen Gemeindeverband ANCI zertifizierten Schönsten Dörfern Italiens. Seit 2007 trägt Candelo außerdem die orange Fahne des Touring Club Italiano, ein Qualitätssiegel für nachhaltigen Tourismus im ländlichen Raum.
Spaziergang durch die Rue
Piazza Castello
Am Platz Piazza Castello fällt sofort das Rathaus von 1819 im neoklassizistischen Stil ins Auge. Wo heute der Platz liegt, befanden sich früher Häuser und ein vermutlich trockener Graben, der von Dornensträuchern überwuchert und mit spitzen Pfählen gesichert war. Gegenüber, direkt vor dem Tor-Turm, liegt das sogenannte „Rivellino“, eine zusätzliche Verteidigungsanlage, in der sich in der kommunalen Zeit die Ratsversammlung traf.
Von links nach rechts erkennt man einen hohen Turm, der ursprünglich zur Innenseite hin offen war, und einen niedrigeren, gedrungeneren Turm, der im Jahr 1581 in ein Gefängnis umgewandelt wurde. Der einzige Zugang zum Ricetto ist und bleibt der Tor-Turm: ein massives Backsteingebäude mit einer Einfahrt für Wagen und einer separaten kleinen Tür für Fußgänger, der sogenannten „Postierla“. Beide wurden früher durch eine Zugbrücke und eine kleine Stegrampe („Pedanca“) geschützt, gesteuert durch Mechanismen, die in die heute noch sichtbaren Mauerschlitze griffen. Rechts davon steht ein runder Eckturm mit offenen Schießscharten und typischen Schwalbenschwanzzinnen.
Innenhof des Ricetto
Nach dem Eintritt durch den Tor-Turm gelangt man auf einen kleinen gepflasterten Platz, dessen runde Steine aus dem nahen Fluss Cervo stammen. Gegenüber ragt der „Palazzo del Principe“ auf, ein Gebäude aus dem späten 15. Jahrhundert, errichtet von Sebastiano Ferrero. Das Wegenetz innerhalb des Ricetto besteht aus fünf Längs- und drei Querstraßen. Für die Entwässerung weist das Gelände ein leichtes Gefälle von Süden nach Norden auf. Eine heute verschwundene „Lizza“-Straße verlief einst entlang der Außenmauer und diente als Patrouillenweg. An der Nordseite sind noch Steinkonsolen zu sehen, die einst den Wehrgang trugen. Links vom Innenhof befindet sich die „Rats- und Zeremonienhalle“ der Gemeinde, in der regelmäßig Ausstellungen stattfinden, sowie das Gemeindearchiv mit Bibliothek. In der Nähe des heutigen Brunnens liegt ein großer Steinblock mit der Jahreszahl 1749. Er war einst das Gegengewicht einer Hebelpresse, die sich ursprünglich in der Zeremonienhalle befand. Ein ähnliches, vollständig funktionstüchtiges Presswerk ist noch heute in einem privaten Weinkeller im Ricetto erhalten. Beim weiteren Spaziergang durch eine der rue erkennt man die Wohngebäude, die in Doppelhaus-Inseln angeordnet sind. Zwischen ihnen verläuft ein schmaler Zwischenraum – genannt riana, rittana oder chintana – zur Ableitung von Regen- und Abwasser. Die etwa 60 cm dicken Mauern bestehen meist aus Kieseln im Fischgrätmuster, teils ergänzt durch Ziegel oder größere Natursteine. Jede Baueinheit umfasst zwei übereinanderliegende Räume, die nicht miteinander verbunden waren: Das Erdgeschoss (Caneva) diente in Friedenszeiten hauptsächlich als Weinkeller, während das Obergeschoss (Solarium) als Trocknungsraum oder Lager für landwirtschaftliche Produkte genutzt wurde. Der Zugang zum oberen Raum erfolgte ausschließlich von außen über Holztreppen oder hölzerne Balkone.
Die Türportale sind in zwei Bauformen erhalten: Ältere Portale bestehen aus drei behauenen Steinquadern, die auf Steinsäulen mit einem horizontalen Sturzblock ruhen. Jüngere bestehen aus Backstein, sind leicht spitzbogig und aus zwei Bogenlagen gebaut – eine flache, eine spitze. Wie schon zur Zeit der Entstehung sind die Gebäude noch heute in Privatbesitz. Einige werden weiterhin zur Weinherstellung und Lagerung genutzt.
Geführte Besichtigungen (Dauer ca. 1 Stunde) können über das örtliche Fremdenverkehrsamt „Pro Loco“ (Tel. 015 2536728) gebucht werden.
INFOS
Gemeinde Candelo:
www.comune.candelo.bi.it
www.candeloeventi.it
Ort: Candelo (Baraggia und die ebene)